Ein Mann und seine Mutter waren in ihrem Haus in Estación Central in der Región Metropolitana (Hauptstadtregion um Santiago) eingeschlossen, nachdem ein Baum auf das Gebäude gestürzt war. Das geschah nach dem Tornado, der die comuna (Gemeinde) am Nachmittag des Dienstags, 13. Oktober, inmitten heftiger Regenfälle in der Hauptstadt traf.
Wie T13 berichtete, kamen Spezialkräfte zum Ort, um die Trümmer zu beseitigen und der Familie den Weg nach draußen freizumachen. Der Mann konnte das Gittertor seines Hauses nicht öffnen, weil umgestürzte Bäume es blockierten.
Im Gespräch mit T13 En Vivo schilderte der Betroffene, wie alles begann: "Es fing mit Hagel an, dann kam ein Wind, der die Bäume bewegte". Er fügte hinzu, dass er in diesem Moment die Überwachungskameras angeschaut habe und danach der Strom ausgefallen sei.
Andere Anwohner berichteten, dass ein Strommast auf ihre Häuser gestürzt sei. Die Quellen geben nicht an, wie viele Wohnungen beschädigt wurden oder ob es Verletzte gab.
Die Dirección Meteorológica de Chile (DMC), der chilenische Wetterdienst, nahm eine vorläufige Analyse des Phänomens vor und kam zu dem Schluss, dass es sich um einen Tornado der Kategorie EF0 handeln könnte, wie El Desconcierto berichtete. Das ist die schwächste Stufe der Erweiterten Fujita-Skala, die Tornados nach den verursachten Schäden und den geschätzten Windgeschwindigkeiten einordnet.
Nach Angaben der DMC entstand das Ereignis aus konvektiver Bewölkung mit tornadischen Merkmalen. Die geschätzten Windgeschwindigkeiten erreichten zwischen 105 und 137 Kilometer pro Stunde, und die Temperatur fiel in weniger als fünf Minuten um 10 Grad.
An der Alameda, in der Nähe des Busbahnhofs Terminal Sur, riss der Wind Teile eines Dachs ab und wirbelte Platten und andere Gegenstände auf. Die Red de Emergencia ONG schrieb auf X, die Böen hätten an diesem Busbahnhof Dächer weggerissen.
In Santiago ist ein solches Phänomen nahezu beispiellos. Der einzige dokumentierte Tornado in der Hauptstadt ereignete sich am 14. Mai 1893 in Conchalí. In jenem Jahr beschrieb Alphonse Nogués ihn in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung und hielt Schäden auf dem Grundstück des Arztes José Joaquín Aguirre fest, etwa umgestürzte Pfeiler und abgebrochene Äste.
Während desselben Unwetters waren in verschiedenen Teilen Santiagos Straßen überflutet, Dächer beschädigt und der Strom fiel aus. Einige Metro-Stationen wurden geschlossen, weil ihre Zugänge unter Wasser standen, die Züge fuhren jedoch weiter.
Die Einstufung als EF0 ist noch nicht endgültig. Die DMC untersucht das Phänomen weiter, um seine Merkmale genauer zu bestimmen und die endgültige Klassifizierung vorzulegen.