Die ehemalige Ministerin und Regierungssprecherin Camila Vallejo (PC) kritisierte die ersten sieben Monate der Regierung von José Antonio Kast scharf. In einem Interview mit The Clinic bezeichnete sie diese als eine „extrem klassistische“ Regierung und erklärte, sie habe ihre Wahlversprechen nicht erfüllt.
Laut El Mostrador fasste die ehemalige Sprecherin von Gabriel Boric ihre Kritik mit einem deutlichen Satz zusammen: „Der Kandidat Kast würde heute den Rücktritt von Präsident Kast verlangen, weil er nichts von dem erfüllt hat, was er versprochen hat.“ Laut ADN Radio fügte sie hinzu, dass der Präsident, wenn er sich weiterhin wie als Kandidat verhalten würde, seine eigene Regierung infrage stellen und den Rücktritt von Ministern fordern würde.
Der Vorwurf des Klassismus stützt sich auf konkrete Haushaltsentscheidungen. Vallejo erwähnte die Abschaffung des Programms Yo Elijo Mi PC, das Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse Computer zur Verfügung stellt. Sie kritisierte auch die Kürzung der Mittel für das Ricardo-Soto-Gesetz, das kostspielige Behandlungen finanziert, und das geringere Budget für Beschäftigungszuschüsse mitten in einer Arbeitsmarktkrise.
Die ehemalige Ministerin wies zurück, dass das Argument effizienter Staatsausgaben diese Kürzungen rechtfertige. „Die Ausgaben des Staates effizienter zu gestalten und ihn zu modernisieren, damit er besser funktioniert, bedeutet nicht, den Mädchen und Jungen der siebten Klasse die Computer wegzunehmen“, erklärte sie. Außerdem kritisierte sie den Rückgang der öffentlichen Investitionen.
Vallejo kritisierte auch die Strategie der Regierung, der Vorgängerregierung die Schuld für die wirtschaftliche Lage zu geben. „Die Beschäftigungskrise und die Wachstumskrise können nicht mehr der vorherigen Regierung zugeschrieben werden. Diese Argumentation ist erschöpft, und die Menschen spüren das“, sagte sie laut ADN Radio. Derselbe Sender berichtete über ihre Kritik an der Steuerreform der Regierung, die ihrer Ansicht nach den höheren Einkommensgruppen zugutekommt.
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verleiht der Debatte Gewicht. Laut kürzlich veröffentlichten Artikeln liegt die Arbeitslosigkeit bei 9,6%, und selbst die RN-Senatorin Paulina Núñez forderte von der Regierung einen Beschäftigungsbonus. Die Cadem-Umfrage verzeichnet unterdessen eine Ablehnungsquote von 64% für Kast.
Auf politischer Ebene erklärte Vallejo, „der Pinochetismus ist an die Macht gekommen“, betonte jedoch, dass er im Land keine Mehrheit habe. Sie kritisierte auch die Leugnung der Verbrechen der Diktatur und sagte, die Rechte habe es geschafft, ihre Deutungsrahmen bei Sicherheit und Wirtschaft durchzusetzen.
Die ehemalige Ministerin übte Selbstkritik an ihrem politischen Lager. Sie räumte ein, dass die Linke den Vormarsch der extremen Rechten geleugnet habe, zu spät in die Auseinandersetzung in den sozialen Medien eingestiegen sei und es nicht geschafft habe, ein Wirtschaftsmodell zu verändern, das sie für ungleich hält. „Die extreme Rechte hat Gramsci besser gelesen als die Linke“, erklärte sie in Anspielung auf den italienischen Denker, der sich theoretisch mit dem kulturellen Kampf befasste.
Mit Blick auf politische Führungspersönlichkeiten begrüßte sie, dass die ehemalige Präsidentin Michelle Bachelet weiterhin zur Verfügung stehe, und wies zurück, dass eine mögliche Kandidatur Bachelets die Erneuerung bremsen würde. Sie rief die Parteien, von der Kommunistischen Partei bis zur Christdemokratischen Partei, dazu auf, ihre Arbeit vor Ort zu verstärken, um „eine gesellschaftliche und politische Mehrheit aufzubauen“.
Die ausgewerteten Quellen enthalten keine Reaktion der Regierung oder der Regierungsparteien auf Vallejos Kritik. Unterdessen setzte sich der Minister für Wirtschaft und Bergbau das Ziel von 100 Tausend Arbeitsplätzen bis März 2027.

